| Über unser Verhältnis zur Natur |
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In seinen "Ästhetischen Briefen" beschreibt Schiller zwei Stufen der menschlichen Naturbeziehung, hier verkürzt reformuliert: 1. 2. 3. 4. Im Makro- und Mikokosmos entdecken wir immer neue Formen von überwältigender Schönheit und Funktionalität. im Vergleich dazu können unsere Erfindungen in der Tat recht schlicht aussehen; sie erreichen weder die ästhetische noch die funktionale Vitalität der Natur. Die Konsequenz sollte eine intensive Beschäftigung mit den Gesetzmässigkeiten natürlicher Formbildung sein. Zunächst von unmittelbarer Zweckbindung frei, können wir archetypische Form-Gesten der Natur als zeichnerische Rhythmogramme festhalten und danach auf die rhythmische Regeneration von Körpersprache und Stimme, auf Design und sogenannte "freie" Kunst übertragen. Da es dabei um die Verbindung zu Rhytmus der Formbildung und nicht um die platte Kopie einzelner Erscheinungsbilder geht, wärekein Verlust kreativer Freiheit zu befürchten. Wenn wir sozusagen "Entfaltungsräume" in unserer Sekundärwelt öffnen, können auch völlig neue Formkombinationen entstehen. Wesentlich erscheint mir, daß tiefere Naturerkenntnis sehr viele Menschen mit den Vorraussetzungen zur Gestaltung im Einklang mit der Natur ausstatten könnte, also nicht nur die traditionell so gesehenen kreativen "Eliten". Eine neu orientierte künstlerische Avantgarde könnte sich pädagogisch hilfreich in den Dienst der guten Sache stellen und die individuelle Mythologie durch soziale Bedeutung ergänzen. |

